Fünftelregelung bei Abfindung

Fünftelregelung bei Abfindung

Bis Ende 2005 gab es Abfindungsfreibeträge in Bezug auf die Steuer. Diese Zeiten sind leider vorbei. Freibeträge gibt es nicht mehr und eine Abfindung ist voll steuerpflichtig. Zumindest für einen Teil der Steuerpflichtigen gibt es mit der Fünftelregelung ein kleines Steuergeschenk vom Fiskus. Die Fünftelregelung ist eine Rechtsauslegung, die unter Umständen zu einer Steuerermäßigung führen kann.

Fünftelregelung – Voraussetzungen

Abfindungsfreibeträge und die Besteuerung von Abfindungen nach dem „Halbeinkünfte-Verfahren“ haben in früheren Zeiten für eine Steuerentlastung beim Erhalt einer Abfindung geführt. Beide Verfahren gibt es nicht mehr, denn der Gesetzgeber hat die Besteuerung von Abfindungen deutlich verschärft. Die Fünftelregelung ist eine der Möglichkeiten, um die Steuerlast zu senken. Sie kann jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen angewendet werden:

  • die Abfindung muss als „außerordentliche Einkünfte“ gelten
  • die Abfindung muss als „Ausgleich für Einnahmeverluste“ behandelt werden
  • das Arbeitsverhältnis muss auf Veranlassung des Arbeitgebers beendet worden sein
  • die Abfindung muss als Einmalzahlung erfolgen

Außerordentliche Einkünfte sind laut § 4 Einkommensteuergesetz (EStG) so definiert, dass sie über mehrere Jahre erwirtschaftet, aber in einem Jahr ausgezahlt werden. Damit im Auszahlungsjahr eine zu hohe Steuerbelastung für das, über mehrere Jahre erwirtschaftete Sondereinkommen vermieden wird, wurde die Fünftelregelung eingeführt. Die Abfindung muss zudem als „Ausgleich für Einnahmeverluste“ steuerlich behandelt werden können. Abfindungen, die in Verbindung mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gezahlt werden, fallen in der Regel unter diese Rubrik (siehe auch Artikel Abfindung bei Kündigung bzw. Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung). Die Abfindung soll den Arbeitnehmer für den Verlust des Arbeitsplatzes und den damit verbundenen Einnahmeverlust entschädigen. Entspricht die Abfindung diesen Kriterien, kann sie mithilfe der Fünftelregelung besteuert werden.

Wie die Fünftelregelung funktioniert

Bei der Anwendung der Fünftelregelung muss die Abfindung zwar im Auszahlungsjahr versteuert werden, der Steuersatz wird jedoch mithilfe der Fünftelregelung ermäßigt. Gerechnet wird so, als würde der Steuerpflichtige fünf Jahre lang 1/5 der Abfindung erhalten. Der ehemalige Arbeitgeber ist verpflichtet die Lohnsteuer und die Steuern für die Abfindung einzubehalten und entsprechend an das Finanzamt zu überführen. Bei der Abfindungsbesteuerung nach der Fünftelregelung funktioniert die Berechnung wie folgt:

  1. die Steuer für das restliche zu versteuernde Einkommen des Jahres wird berechnet
  2. ein Fünftel der Abfindung wird diesem restlichen zu versteuernden Einkommen hinzuaddiert, von dieser Summe wird die Steuer erneut berechnet
  3. Es wird der Differenzbetrag ermittelt, der sich aus den beiden Steuerwerten aus 1. und 2. ergibt.
  4. das Fünffache der Differenz aus 3. ergibt die Steuern für die gesamte Abfindung

Die Steuer für die Abfindung muss immer komplett gezahlt werden.

Beispiel für die Besteuerung mit Fünftelregelung:

Herr T. hat im Jahr 2016 ein Jahreseinkommen von 40.000 Euro. Mit der Kündigung erhält er eine Abfindung von 60.000 Euro. Er unterliegt einem Kirchensteuersatz von 9%. Die Berechnung der Steuer für die Abfindung nach der Fünftelregelung sieht aus wie folgt:

  1. 10.106 Euro Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli für 40.000 Euro Jahreseinkommen
  2. 15.403 Euro Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli für 52.000 Euro (Jahreseinkommen + 1/5 Abfindung)
  3. 5.297 Euro Differenz zwischen beiden Steuerbeträgen
  4. 26.485 Euro (5 x 5.297 Euro) Steuer für die gesamte Abfindung

Sonderfälle

Bei der Berechnung der Steuer für Abfindungen nach der Fünftelregelung ergeben sich einige Sonderfälle. Diese Sonderfälle treten ein, wenn der Steuerpflichtige keine oder negative Einkünfte im Jahr er Abfindungszahlung erwirtschaftet hat. Auch wenn Lohnersatzleistungen empfangen werden, weicht die Steuerberechnung nach der Fünftelregelung von der einfachen Berechnung ab und wird relativ komplex. Zu den Lohnersatzleistungen zählen beispielsweise Arbeitslosengeld, Übergangsgeld der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Unfallversicherung, Krankengeld und Elterngeld. In diesen Fällen unterliegen die Lohnersatzleistungen dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, die Lohnersatzleistungen sind zwar selber steuerfrei, werden aber zur Berechnung des Steuersatzes fiktiv dem Einkommen hinzugerechnet, sodass sie die Steuerschuld indirekt erhöhen.

Beispiel der Berechnung mit Fünftelregelung beim Erhalt von Arbeitslosengeld:

Herr U. hat im Jahr 2016 ein Einkommen von 20.000 Euro erzielt (Kirchensteuersatz 9%) und nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Abfindung von 100.000 Euro erhalten. Danach hat er Arbeitslosengeld in Höhe von 5.000 Euro erhalten. Die Berechnung der Steuer für die Abfindung sieht wie folgt aus:

  1. 2.931 Euro Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli für 20.000 Euro Jahreseinkommen
  2. 4.531 Euro Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli für 20.000 Euro Jahreseinkommen + 5.000 Euro Arbeitslosengeld
  3. fiktiver Steuersatz von 18,124 % für 4.531 Euro
  4. 3.625 Euro Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli für 20.000 Euro zu 18,124 %
  5. 12.223 Euro fiktive Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli für 45.000 Euro (Jahreseinkommen + Arbeitslosengeld + 1/5 Abfindung)
  6. 27,162 % fiktiver Steuersatz für 12.223 Euro
  7. 10.865 Euro Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli für Jahreseinkommen + 1/5 Abfindung zu 27,162 %
  8. 7.240 Euro Differenz der Steuerbeträge aus 4. und 7. = Steuer für 1/5 Abfindung
  9. 36.200 Euro (5 x 7.240 Euro) Steuer für die gesamte Abfindung

Für wen lohnt sich die Fünftelregelung?

Die Fünftelregelung lohnt sich insbesondere für alle mit einem Einkommen mit einer geringen Steuerbelastung, aber durch die Zahlung der Abfindung überproportional mehr Steuern zahlen müssten und damit in eine hohe Steuerprogression geraten. Allgemein gilt die Faustregel: Je höher das Einkommen, desto geringer der Vorteil durch die Fünftelregelung. Mehr zum Thema Steuern bei Abfindung finden Sie unter Abfindung und Steuer.

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