Abfindung und Steuer

Abfindung und Steuer

Wer seinen Arbeitsplatz verliert und als Entschädigung eine Abfindung vom Arbeitgeber erhält, muss sich zwangsläufig auch mit dem Thema Steuer und Einkommensteuererklärung befassen, denn Abfindungen müssen versteuert werden. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, die Steuerlast zu senken.

Abfindungen sind steuerpflichtig

Bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses erhalten Arbeitnehmer häufig eine Abfindung. Diese kann in Kopplung mit einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag vereinbart werden. Die Abfindung soll den Arbeitnehmer für den Verlust des Arbeitsplatzes und den damit verbunden Verdienstausfall angemessen entschädigen. Die vereinbarte Abfindungssumme erhält der Arbeitnehmer jedoch nicht in Brutto. Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer müssen auch von einer Abfindung gezahlt werden, denn Abfindungen sind steuerpflichtig.

Freibeträge, wie in früheren Zeiten gibt es nicht mehr. Seit einigen Jahren werden Abfindungen in voller Höhe besteuert. Dennoch gibt es Möglichkeiten eine übermäßige Steuerbelastung zu verhindern.

Versteuerung von Abfindungen nach dem Zuflussprinzip

Die Versteuerung von Abfindungen erfolgt grundsätzlich nach dem Zuflussprinzip.

Was bedeutet das? Der Gesetzgeber unterscheidet im Steuerrecht zwischen Realisationsprinzip und Zuflussprinzip. In Bezug auf den Erhalt einer Abfindung ist der Moment, in dem eine Kündigung, ein Aufhebungsvertrag oder ein Urteil des Arbeitsgerichtes rechtsgültig wird, der Zeitpunkt der Realisation. Der Zuflusszeitpunkt ist jedoch erst der Zahlungseingang der Abfindung beim Arbeitnehmer. Bei der Besteuerung der Abfindung kann die Versteuerung nach dem Zuflussprinzip zu einer zeitversetzen Versteuerung führen. Dies ist von Bedeutung, wenn es darum geht die Abfindung in der Steuererklärung anzugeben und geltend zu machen und kann zudem auch zu einer Steuerermäßigung führen.

Beispiel für eine zeitversetzte Versteuerung durch das Zuflussprinzip:

Das Arbeitsverhältnis von Frau P. endet zum 30.09.2015. Im Rahmen eines Aufhebungsvertrages hat sie mit ihrem Arbeitgeber eine Abfindung vereinbart, die zum 31.01.2016 ausgezahlt werden soll. Der Zahlungsbetrag geht am 02.02.2016 auf dem Girokonto von Frau P. ein. Die Abfindung von Frau P. muss nach dem Zuflussprinzip daher erst im Jahr 2016 versteuert werden und nicht etwa im Jahr 2015, in dem ihr Arbeitsverhältnis endete und die Abfindung vereinbart wurde.

Steuerermäßigungen nur unter bestimmten Voraussetzungen

Um eine hohe Steuerprogression durch den Erhalt einer Abfindung zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Steuerermäßigungen bei Versteuerung von Abfindungen sind jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. So muss die Abfindung im Zusammenhang mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gezahlt werden. Sie darf nicht vorher bereits im Arbeitsvertrag vereinbart worden sein. Zudem muss das Arbeitsverhältnis immer auf Veranlassung des Arbeitgebers enden. Wer selbst kündigt und dann eine Abfindung vereinbart, erhält keine Steuerermäßigung.

Steuerlast senken durch Fünftelregelung

Die Fünftelregelung ist eine Regelung im Steuerrecht, die dazu führt, dass der Steuersatz zur Besteuerung einer Abfindung gesenkt wird. Dabei wird die Abfindung als „außerordentliche Einkünfte“ bewertet. Das heißt, der Gesetzgeber geht davon aus, dass die zu versteuernde Abfindung als Ausgleich für Einnahmeverluste über mehrere Jahre erwirtschaftet wurde, aber in einem Jahr ausgezahlt wurde. Entsprechend wird die Steuer so berechnet, als habe der Steuerpflichtige über 5 Jahre jeweils 1/5 der Abfindung erhalten. Wie die Fünftelregelung genau funktioniert und berechnet wird und für wen sie sich lohnt, wird in unserem Artikel zur Fünftelregelung bei Abfindung erläutert.

Steuern sparen durch Abfindungsauszahlung in Teilbeträgen

Um die Fünftelregelung bei der Besteuerung von Abfindungen zu nutzen, muss der Steuerpflichtige die Abfindung in einer Einmalzahlung erhalten. Vereinbarte Teilbeträge sind allenfalls innerhalb eines Kalenderjahres möglich. Eine günstigere Besteuerung lassen die Finanzämter jedoch gelten, wenn die Abfindung in Teilbeträgen über mehrere Kalenderjahre ausgezahlt wurde, obwohl in der Abfindungsvereinbarung eine Einmalzahlung vereinbart wurde. So halbiert sich der Steuersatz beispielsweise, wenn die Abfindung in Raten über zwei Jahre gezahlt wird.

Steuern sparen durch die Auszahlung im Folgejahr

Manchmal kann es sinnvoll sein, die Auszahlung der Abfindung in das Folgejahr nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu legen. Durch das Zuflussprinzip wird die Besteuerung der Abfindung so in das nächste Kalenderjahr verschoben. Dieses Vorgehen kann beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn der Steuerpflichtige davon ausgeht, dass er im folgenden Kalenderjahr Arbeitslosengeld beziehen wird und damit deutlich geringere Einkünfte haben wird.

Muss eine Steuererklärung gemacht werden?

Nach dem deutschen Steuerrecht müssen Ledige, die mehr als 8.652 Euro verdienen und Verheiratete mit einem Einkommen über 17.304 Euro eine Steuererklärung abgeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, unterliegen damit einer „Pflichtveranlagung“. Die Steuererklärung muss bis zum 31.05. eines jeden Jahres beim Finanzamt eingegangen sein. Wer die Steuererklärung von einem Steuerberater machen lässt, muss sich nicht an diesen Stichtag halten. Der Steuerberater kann eine entsprechende Fristverlängerung beantragen. Wer unter die Pflichtveranlagung fällt und eine Abfindung erhält, muss dementsprechend eine Steuererklärung abgeben, in der dann auch die Abfindung angegeben werden muss.

Wie wird die Abfindung in der Steuererklärung angegeben?

Zum Eintragen der Abfindung wird bei der Steuererklärung die Anlage N benötigt. Damit das Finanzamt prüfen kann, ob die Fünftelregelung angewandt werden kann, sollten der Steuererklärung Kopien der Kündigung und des Abfindungsvertrages beigefügt werden. Der ehemalige Arbeitgeber führt die Steuern für die Abfindung ab, doch nicht jeder Arbeitgeber wendet dabei auch die Fünftelregelung an.

Tipp: Gerade dann, wenn der Arbeitgeber die Fünftelregelung beim Steuerabzug nicht genutzt hat, die Möglichkeit hierzu aber theoretisch besteht, sollten Arbeitnehmer unbedingt über die Anfertigung einer Steuererklärung nachdenken! In diesem Fall ist nämlich mit einer Steuererstattung zu rechnen!

2 comments on “Abfindung und Steuer

  1. Hallo
    Meine Frage: Darf man nach einer Abfindung wird nach der
    Fünftelreglung Versteuert ,darf man da gleich wieder Arbeiten
    oder darf ich da 1Jahr nicht Arbeiten
    Meine Firma sagt bei Fünftelregelung ( 1 Jahr nicht Arbeiten
    bei Grundtarif versteuerung kann man sofort wieder Arbeiten
    ist das Rechtens ja oder nein

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