Abfindung, Höhe: Richtig verhandeln

Abfindung, Höhe: Richtig verhandeln

Wenn es um Abfindungen geht, geistern bei vielen falsche Vorstellungen in Bezug auf deren Höhe durch die Köpfe. Immer wieder ist die Rede von hohen Abfindungen, die sich so richtig lohnen und den Verlust des Arbeitsplatzes versüßen. Viele Arbeitnehmer gehen wie selbstverständlich davon aus, im Falle einer Kündigung mit einer dicken Abfindung in der Tasche entspannt in Zukunft schauen zu können. Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus. Tatsächlich werden Abfindungen nur bei 10 bis 15 Prozent aller Kündigungen gezahlt. Noch längst nicht jeder erhält zusammen mit der Kündigung auch noch eine ansehnliche Abfindung. Auch was die Höhe der gezahlten Abfindungen betrifft, haben viele völlig falsche Vorstellungen. Tatsächlich erhalten mehr als die Hälfte derjenigen, die überhaupt eine Abfindung bekommen, weniger als 10.000 Euro. Die Gründe dafür, dass Realität und Vorstellung vieler Arbeitnehmer so weit auseinanderklaffen sind nicht einzig die Gesetzeslage und die Knauserigkeit der Arbeitgeber. Oft liegt es an der Blauäugigkeit und dem schlechten Verhandlungsgeschick der betroffenen Arbeitnehmer, wenn sie ohne, oder nur mit einer geringen Abfindungen nach Hause gehen

Wissen verschafft Macht – das gilt auch für Abfindungsverhandlungen

Wer vom Chef die Kündigung bekommt, oder in einem Personalgespräch vor die Wahl der Kündigung oder eines Aufhebungsvertrages gestellt wird, befindet sich erst einmal in einer Art Schockzustand. Selbst wenn die Kündigung schon absehbar war, trifft dieser Moment die meisten schwer. Wer dann auch noch mit einer gewissen Blauäugigkeit sofort auf ein Abfindungsangebot des Chefs eingeht oder seinen Worten Glauben schenkt, dass an eine Abfindung gar nicht zu denken sei, hat die Chance auf eine gute Abfindung damit schon vertan.

Auch wer mit Halbwahrheiten den Chef zu überrumpeln versucht, sich auf sein Abfindungsrecht beruft, eine Abfindung fordert und deren Höhe ganz nach Belieben und den eigenen Vorstellung aus der Luft greift, wird zumeist bitter enttäuscht. In welchen Fällen ein Recht auf Abfindung besteht und wann eine Abfindung nur durch den guten Willen des Arbeitgebers und ein gutes Verhandlungsgeschick des Mitarbeiters zu erlangen ist, erfahren Sie unter Wer hat Anspruch auf Abfindung und im Artikel zur gesetzlichen Abfindung.

Um Enttäuschungen zu vermeiden und die eigenen Chancen optimal zu nutzen, heißt es zunächst einmal einen kühlen Kopf zu bewahren und sich die nötige Zeit zu verschaffen, um Halbwahrheiten und falsche Information zum Thema Abfindung durch echtes Wissen zu ersetzen. Nur so ist der Arbeitnehmer gut gerüstet für eine geschickte Abfindungsverhandlung mit realistischen Forderungen. Wer schon beim Erhalt der Kündigung weiß, dass es kein allgemeines Recht auf Abfindung gibt und wer in etwa weiß, wie die Höhe einer angemessenen Abfindung zu ermitteln ist, hat gute Chancen mit dem richtigen Verhandlungsgeschick eine gute Abfindung zu erstreiten. Informationen darüber, wie Sie die Höhe der Abfindung vorab kalkulieren können, finden Sie im Artikel zur Abfindungshöhe.

Zeit gewinnen und nicht überrumpeln lassen

Der Moment, wenn der Arbeitgeber die Kündigung überreicht oder zum Personalgespräch bittet, um den Mitarbeiter vor die Wahl zwischen Kündigung oder Aufhebungsvertrag zu stellen, ist immer der denkbar schlechteste Moment über Abfindungen zu sprechen und sich für die Kündigung oder den Aufhebungsvertrag zu entscheiden. Ein Aufhebungsvertag kann nur im gegenseitigen Einvernehmen geschlossen werden und wird erst durch die Unterschrift des Mitarbeiters rechtskräftig (siehe hierzu auch Artikel zum Thema Abfindung bei Aufhebungsvertrag). Niemand kann Sie also zwingen, einen solchen Vertrag sofort und ohne Bedenkzeit zu unterschreiben. Wer sich in dieser Situation befindet, sollte sich immer die nötige Zeit verschaffen, um die Rechtslage, notfalls von einem Anwalt, prüfen zu lassen und so die eigene Chancen auf Abfindung abwägen zu können. Auch ordentliche Kündigungen enthalten häufig Formfehler, sodass die Kündigung einem Kündigungsschutzprozess nicht standhält. Auch dann stehen die Chancen auf Abfindung gut. Abfindungsverhandlungen sollten immer erst dann stattfinden, wenn der Mitarbeiter die Rechtslage und seine Aussichten in Bezug auf eine Abfindung und deren Höhe genau überblickt.

Ergänzend hierzu empfehlen wir Ihnen den Artikel zum Gütetermin auf unseren Seiten.

Chancen realistisch einschätzen und nicht zu hoch pokern

Die besten Aussichten auf eine angemessen hohe Abfindung erlangen Arbeitnehmer, wenn sie im Verhandlungsgespräch, gut informiert über ihre Chancen, dem Arbeitgeber mit sachlichen Argumenten die Zahlung einer annehmbaren Abfindung nahelegen zu können. Sind die Chancen gut einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen, ist der Arbeitnehmer eher dazu bereit eine Abfindung zu zahlen, als in, für den Arbeitnehmer aussichtslosen Fällen. Nach dem Motto „Zahlen Sie mir eine höhere Abfindung, oder ich klage mir meinen Arbeitsplatz zurück“, sind die meisten Arbeitgeber bei rechtlich anfechtbaren Kündigungen dazu bereit, sich außergerichtlich durch eine Abfindungszahlung zu einigen. Sind die Chancen bei einem Kündigungsschutzprozess für den Arbeitnehmer eher schlecht, sollten Arbeitnehmer grundsätzlich niemals versuchen den Chef mit Unterstellungen zu einer Abfindung zu zwingen. Ein solches Vorgehen kann schnell nach hinten losgehen und möglicherweise sogar strafrechtliche Folgen haben. Bei schlechten Chancen können allenfalls gut überlegte Argumente geschickt eingesetzt werden. Dann ist es immer vorteilhaft so zu tun, als wolle man den Arbeitsplatz unbedingt behalten. Je nach Fall können auch Betriebszugehörigkeit, Alter oder die eigene wirtschaftliche Situation im Abfindungspoker ausgespielt werden. Wichtig ist jedoch immer, mit dem nötigen Fingerspitzengefühl Argumente auszuspielen und mit der richtigen Strategie in das Verhandlungsgespräch zu gehen.

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