Abfindung berechnen

Abfindung berechnen

Arbeitgeber, die sich schnell von einem Mitarbeiter trennen wollen, sind in der Regel an einer raschen Einigung interessiert. Zumeist kommt eine Abfindung ins Spiel, um den Mitarbeiter zur Zustimmung zu bewegen und davon abzuhalten in einem Kündigungsschutzprozess auf seine Rechte zu pochen. In anderen Fällen erhalten Mitarbeiter die Kündigung, obwohl diese einer arbeitsrechtlichen Überprüfung gar nicht, oder nur eventuell standhält. Dann kann durch eine Abfindung ein nervenaufreibender und teurer Prozess vor dem Arbeitsgericht häufig verhindert werden. Für betroffene Arbeitnehmer sind in dieser Phase als wichtige Entscheidungshilfe vor allem zwei Fragen wichtig – „Wie hoch wird denn eine Abfindung sein, wenn ich dem Trennungswunsch des Arbeitgebers nachkomme oder die Kündigung dafür nicht vor Gericht anfechte?“ und „Was wird denn von der ausgehandelten Summe überhaupt übrigbleiben?“

Wie hoch kann die Abfindung sein?

Die Höhe einer Abfindung ist immer eine Verhandlungssache. Wer im Falle einer Kündigung, oder beim Wunsch des Arbeitgebers nach einem Aufhebungsvertrag die Rechtslage kennt, der kann auch seine Chancen auf eine Abfindung überblicken. Stehen die Chancen gut, verhilft zumeist ein gutes Verhandlungsgeschick zu einer guten Abfindung. Dazu benötigen Arbeitnehmer jedoch einen Anhaltspunkt in Bezug auf die zu erwartende Höhe der Abfindung. Wer ins Blaue hinein verhandelt, hat oft das Nachsehen und verspielt seine Chancen. Als Anhaltspunkt für die zu erwartende Höhe der Abfindung kann die sogenannte Faustformel genutzt werden. An dieser Formel orientieren sich auch die Arbeitsgerichte, wenn sie Arbeitnehmern eine Abfindung zusprechen. Die Faustformel zur Berechnung von Abfindungen lautet:

1/2 Bruttoarbeitslohn pro Beschäftigungsjahr = Abfindungshöhe

Genauere Informationen dazu, wie hoch eine Abfindung sein kann, finden Sie im Artikel zur Abfindungshöhe. Die Faustformel dient jedoch nur als Orientierung. Eine Abfindung kann in der Praxis weitaus höher, aber auch niedriger ausfallen, denn bei der Berechnung sind viel mehr Faktoren, als nur der Bruttoarbeitslohn und die Beschäftigungsdauer zu berücksichtigen. Ganz entscheidend auf die Abfindungshöhe wirkt sich zudem die Rechtslage im individuellen Fall aus. Dazu zwei Beispiele, die dies verdeutlichen:

Beispiel 1:

Herr G. ist schon seit 23 Jahren im Unternehmen beschäftigt. Nun stellt ihn der Arbeitgeber vor die Alternative einer ordentlichen Kündigung aufgrund zu hoher krankheitsbedingter Fehlzeiten, oder eines Aufhebungsvertrages mit angemessener Abfindung. Zu hohe Fehlzeiten können vom Arbeitsgericht durchaus als Kündigungsgrund bestätigt werden. Die Rechtslage ist also auf den ersten Blick eher ungewiss für Herrn G. Reicht er eine Kündigungsschutzklage ein, kann es durchaus sein, dass das Arbeitsgericht die Kündigung bestätigt und Herr G. trotz langer Beschäftigungsdauer seinen Arbeitsplatz ohne Abfindung verliert. Zur Kalkulation einer möglichen Abfindungshöhe ergibt die grobe Berechnung nach der Faustformel daher schon eine maximale Abfindungshöhe, die Herr G. wohl kaum erreichen wird. Bei den Abfindungsverhandlungen sollte Herr G. daher auch mit einer Abfindung, die unter der Berechnung nach der Faustformel liegt, zufrieden sein.

Beispiel 2:

Auch Herr N. soll gekündigt werden. Er hat einen auf zwei Jahre befristeten Vertrag im Unternehmen, von denen erst acht Monate vergangen sind. Die Kündigung erfolgt ohne Angabe von Gründen und soll mit einer Kündigungsfrist von 6 Wochen in Kraft treten. Herr N. hätte gute Chancen einen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen, denn die Probezeit in seinem befristeten Vertrag ist abgelaufen und eine vorzeitige Kündigung des Vertrages ist so nicht möglich. Entweder müsste der Arbeitgeber die Kündigung zurücknehmen, oder Herr N. hätte Anspruch auf Lohnfortzahlung bis zum Vertragsende. Wäre ihm eine Weiterbeschäftigung bis zum Vertragsende nicht zuzumuten (siehe hierzu ergänzend auch Artikel zum Auflösungantrag), bekäme er zusätzlich zur Lohnfortzahlung eine kleine Abfindung nach der Faustformel. Bei einer außergerichtlichen Einigung hat Herr N. daher gute Chancen eine deutlich höhere Abfindung als die Abfindung laut Faustformel zu erhalten.

Was wird von der Abfindung übrigbleiben?

Wurde eine Abfindung in angemessener Höhe ausgehandelt, bleibt immer noch die Frage nach dem Betrag, den der Arbeitnehmer letztendlich von seiner Abfindung zur Verfügung hat. Abfindungssummen werden in Regel in brutto verhandelt. Da Abfindungen versteuert werden müssen, erhält der Arbeitnehmer nur das, was netto von seiner Abfindung übrigbleibt. Wie genau Abfindungen zu versteuern sind und welche Möglichkeiten es gibt, die Steuerlast zu senken, finden sie unter ‚Steuern sparen bei Abfindung mit der Fünftelregelung‘ und im Artikel Abfindung und Steuern.

Berechnen lässt sich das, was von der Abfindung letztendlich übrig bleibt ganz einfach mit unserem Abfindungsrechner. Sozialversicherungsbeiträge werden von echten Abfindungen hingegen nicht einbehalten. Welche Ausnahme es gibt erklärt der Artikel zum Thema Abfindung und Sozialversicherung. Wer nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses erst einmal Arbeitslosengeld bezieht, muss aufpassen. Zwar findet keine grundsätzliche keine Anrechnung von Abfindungen auf das Arbeitslosengeld statt, doch es gibt einen Stolperstein. Wird die ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten, gibt es zunächst einmal eine Sperrzeit für das Arbeitslosengeld. Danach wird die Abfindung, je nach Einzelfall, zwar nicht komplett, doch zumindest anteilig auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Wie Sie formale Fehler bei der Aushandlung einer Abfindung vermeiden und dafür sorgen können, dass die Abfindung keine Auswirkungen auf das Arbeitslosengeld hat, erfahren Sie im Artikel Abfindung und Arbeitslosengeld. Was letztendlich von der zu erwartenden Abfindung nach Abzug der Steuern übrigbleibt, kann mit dem Abfindungsrechner einfach und schnell berechnet werden.

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